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Seit 2000 regelmäßige Mitarbeit bei Printmedien wie taz, Tagesspiegel, Frankfurter Rundschau, Zeit Online, NZZ, hauptsächlich als Literaturkritiker. Außerdem Texte für die Bundeszentrale für politische Bildung, das Magazin der Kulturstiftung des Bundes etc.

Seele auf Nachtfahrt

Man vergisst leicht, wie intensiv die Sechziger waren. Da gab es Menschen, die sich – als der stürmische Wind der Revolution sie wieder auf dem Boden absetzte – erst einmal irgendwo aufs Land flüchten mussten, um sich die manischen Appelle ihrer antiautoritären Führer aus dem Kopf zu schlagen. Mark Vonneguts Buch «Eden Express» beginnt mit dieser paradiesischen Utopie der frühen 1970er Jahre: der kapitalistischen Nachkriegsordnung in den USA ein postmaterialistisches Schnippchen zu schlagen, aus allen Wachstums- und Aufstiegsideologien auszusteigen und aufs Land zu ziehen; in eine Hippie-Kommune, hundert Kilometer nördlich der kanadischen Stadt Vancouver; um mit Freunden zu leben, ungebunden wie ein Indianerstamm; um 300 Hektaren Land im Geiste des Schöpfers zu bestellen und darin auch Glaubensfreiheit zu finden, wie es die puritanischen Gründerväter wollten; oder inneren Frieden, wie es der Zeitgeist Anfang der 1970er Jahre den Söhnen und Töchtern Amerikas eingab.

25. Februar 2015, Neue Zürcher Zeitung

Alles, was ist, ist erleuchtet

Er war einmal der grosse Unbekannte der amerikanischen Literatur. Spätestens mit dem Roman «Lichtjahre», 1998 auf Deutsch erschienen, wandelte sich das Bild. Was für eine Bürde es für einen fast 90-jährigen Autor sein muss, nunmehr als literarisches Denkmal dazustehen, als «Writer's Writer», besser als Updike, mindestens so gut wie Philip Roth, ein Schriftsteller, von dem Richard Ford sagte: «Satz für Satz ist er der Meister.» Nicht eben leicht, auch dann noch frische Sätze zu schöpfen, wenn über die alten geschrieben steht, sie seien wie Epiphanien – nur ein einziger Satz dieses Autors reiche aus, einem Leser das Herz zu brechen.

5. Oktober 2013, Neue Zürcher Zeitung

Im Brunnen der Erinnerung

Jenseits von Athen und Santorini gibt es ein versunkenes Griechenland, das nur wenige kennen. Eines, wo die Kulturen und Zeiten von Okzident und Orient einst miteinander verschmolzen und das heute vom Verschwinden bedroht ist. Der Autor hat es zufällig auf der nordägäischen Insel Thassos im Dorf Kazaviti entdeckt.

3. September 2012, Neue Zürcher Zeitung

Irgendwann wird eine Geschichte entstehen

Der Schriftsteller Benjamin Stein über das Schreiben und die Neuerfindung der eigenen Identität

22. Juni 2011, Neue Zürcher Zeitung

Schaut! Uns! An!

Ausstellungen zum Thema Migration

01.1.2011 Der Tagesspiegel

Ein Hohelied in Prosa

Leonard Cohens Débutroman von 1963 ist neu übersetzt worden

26. Januar 2010, Neue Zürcher Zeitung

Partisanen des Jenseits

Die Mönche auf dem Berg Athos streben nach Radikalität und Vollendung

21. Dezember 2009, Neue Zürcher Zeitung

Kraterlandschaft mit gefallenen Engeln

Kulturgeschichte des Dandys

24. Oktober 2009, Neue Zürcher Zeitung

Kunststadt für Kulturpartisanen

Der Filmregisseur Emir Kusturica schart in Küstendorf eine globalisierungskritische Avantgarde um sich

2. März 2009, Neue Zürcher Zeitung

Nationalstaat contra Diaspora, oder: Wer ist Philip Roth in Israel?

Ein Romanwerk als Spiegel und Austragungsort der Debatten um die jüdische Identität

14. Februar 2009, Neue Zürcher Zeitung

Endlich angekommen

In Duisburg eröffnet Deutschlands größte Moschee

15.10.2008, Der Tagesspiegel

Nichts Geringeres als die Weltrevolution

30.08.2010, Frankfurter Rundschau

Pferdehaare über dem Katzennapf

Der Suhrkamp Verlag versucht mit Michael von Brück, Peter Sloterdijk und Giorgio Agamben eine Vermessung der Weltreligionen.

10.10.2007, Der Tagesspiegel

Geliehene Leben

Kiran Desai zeigt kleine und grosse Fluchten aus Indiens Realität

18. Oktober 2006, Neue Zürcher Zeitung

Odysseus und die Börsenmakler

Uralte Mythen, neu erzählt: ein Romanprojekt mit Schriftstellern von Weltrang

23.12.2005, Tagesspiegel

Schmuggelgut Erinnerung

Warum die Deutschen für ihre Geschichte die Erzählungen der Migranten brauchen

27.10.2005, Tagesspiegel

Die Heilige des nahenden Irrsinns

17. August 2005, Neue Zürcher Zeitung

Offenbarung ist überall am Werk

Die Gegenwart der religiösen Bindestrich-Kulturen

12. August 2005, Neue Zürcher Zeitung

Talmudjude versus Muskeljude

25. Mai 2002, taz

The Whole World is Watching

Internationale Solidarität 1968

bpb online

Generation Super 68

Magazin #10 Kulturstiftung des Bundes

Hörfunk

Manuel Gogos arbeitet als freier Autor für diverse Kulturmagazine des Deutschlandfunks und des Westdeutschen Rundfunks, vor allem aber als Feature-Autor in den unterschiedlichsten Sender-Formaten.

Seit Herbst 2010 moderiert Manuel Gogos regelmäßig die Literarische Lounge auf WDR 3 Open, WortLaut Live im Westbahnhof Köln.

Hörproben

Hardcore Zen

Die unorthodoxen Lehren des Brad Warner DLF 2014

Brad Warner war Bassist von Zero Defex, einer Hardcore-Punk-Band in den USA. Dann ging er nach Japan, um B-Movie-Monsterfilme wie "Godzilla" oder "Ultraman" zu animieren. Inspiriert von Meister Yoda aus der 'Star Wars'-Saga beginnt der Punker Warner ausgerechnet die stille Zenmeditation zu üben.

In der Höhle des Löwen

Nachtwachen mit Sibylle Lewitscharoff und Patrick Roth (WDR / SWR 2014)

Die Schriftsteller Sibylle Lewitscharoff und Patrick Roth schwingen sich beim Erzählen manchmal zu wahren Himmelfahrten auf. Denn beide interessieren sich für Übernatürliches, nicht zuletzt für das Wort Gottes. Nachts bekommt Sibylle Lewitscharoff Besuch von ihrer pietistischen Großmutter, die sie einst das Händchenfalten lehrte oder von der bulgarischen Oma mit dem Bösen Blick. Auch Patrick Roth ist ein Gesichte-Seher und Meisterträumer, der seine Nachtmahre aufzeichnet wie Offenbarungen. Gemeinsam mit diesen Jenseits-Kundschaftern gelangt auch der Hörer in die Höhle, in der ein Löwe erscheint. Den hatte schon Lewitscharoff in ihrem Roman „Blumenberg" des Nachts zu ihrem verehrten Lehrer geschickt.

Die Griechenlandfahrer

Kazaviti, ein Dorf in Blau (WDR 3)

Jenseits von Postkartenmotiven und den Straßenkämpfen von Athen gibt es ein Griechenland, das nur wenige kennen. Der deutsch-griechische Autor findet es in einem Bergdorf auf der nordgriechischen Insel Thassos.

Faust und Helena (Deutschlandfunk)

Die Lange Nacht der deutsch-griechischen Beziehungen

Griechenland gilt heute als der "kranke Mann Europas". Zugleich ist das Land ein Traum, der Generationen deutscher Bildungsbürger in Erregung versetzt. Die griechischen Befreiungskriege gegen die Türken im ausgehenden 18. Jahrhundert führen zu einem regelrechten philhellenischen Rausch.

Hölderlin macht sich zu Fuß nach Hellas auf, Goethe will es lieber "mit der Seele suchen". 1941 ziehen deutsche Panzer unter der Akropolis auf, Wehrmachtssoldaten baden nackt im Mittelmeer. Im Winter 1941/1942 verhungern 300.000 Griechen auf offener Straße - Erinnerungen, die tief sitzen im kollektiven Gedächtnis Griechenlands.

Der Mond im Regentropfen

Eine Lange Nacht über den Zenbuddhismus (DLF)

Zen hat mit Stille zu tun, mit harter Arbeit und der Sehnsucht nach Erleuchtung. Die Zentradition Chinas und Japans ist unendlich reich an Geschichten. Von exzentrischen Meistern, die jahrelang auf ihren Kissen saßen, fest gegründet wie ein Berg. Von Mönchen, die durch die Berge schweiften, ungebunden wie Wolken. Amerikanische Beatniks wie Allen Ginsberg oder Jack Kerouac sind die Ersten, die dem Zen im Westen verfallen. Sie lieben das alles: die Samurais, das Bogenschießen, die Teezeremonie. In der Meditation lauscht man mit dem ganzen Körper jener "Musik des Zufalls", die der Avantgardekomponist und Musikerfinder John Cage dem Zen verdankt.

Heute ist Zen eine starke religiöse Bewegung mit unzähligen Anhängern überall in Europa und Amerika. Ein Lifestyle. Ausgerechnet christliche Missionare waren es, die das Zen nach Europa brachten. Jetzt sind es Laien, die den Ton angeben. Und Frauen, denen man vor hundert Jahren noch die Fähigkeit absprach, überhaupt zur Erleuchtung zu kommen. Praktizierende berichten von ihren ganz alltäglichen Erfahrungen: Wie schöpft man Kraft? Kann man Weisheit ausbrüten? Ist Erleuchtung die glückliche Heimkehr zu sich selbst - oder die letzte große "Ent-Täuschung"?

Erwartet uns! Inside "Occupy"

Dok 5. Das Feature (WDR 5)

Die Occupy-Bewegung hat oft symbolträchtige Bilder, die die Medien weltweit aufgreifen: von einer Ballerina, die auf einem Bullen tanzt, von Zelten, die gegen Wolkenkratzer stehen, von Maskierten, die den Nahkampf mit der Staatsgewalt proben.

Das Feature zeichnet das Auf und Ab der Bewegung nach, träumt in den Camps von Basisdemokratie, Love and Revolution, trifft Occupy-Vordenker wie David Graeber und fragt nach den Zielen der Akteure: von der Initialzündung an der Wallstreet im September 2011, von Winterschlaf und Naherwartung in Frankfurt, vom Wiederaufblühen der Bewegung in London und Berlin bis zur Räumung der Camps in diesem Sommer.

Ist Occupy tot oder kommt die Bewegung erst aus der Zukunft auf uns zu?

Dunkle Lichtgestalt

Eine Lange Nacht über Rudolf Steiner

DLF Lange Nacht

Rudolf Steiner, der Mann im schwarzen Kaiserrock, der Mann hinter dem Spiegel. Jedem scheint er etwas anderes gewesen zu sein. Seine Anhänger riefen ihn als Lichtgestalt aus, Künstler wie Wassily Kandinsky oder Franz Kafka umschwirrten ihn wie die Motten das Licht.
Oder war sein Charisma nichts anderes als das hohle Pathos eines Hochstaplers, wie Erich Mühsam meinte? An die 5000 Vorträge hat der manische Redner gehalten, überall in Europa.

Vor Bauern, die ihn fragen, warum die Kartoffeln nicht mehr schmecken; vor Pädagogen, die die Macht der Erziehung fürchten; vor Ärzten, die wieder richtige Heiler sein wollen.

Während Steiners Anthroposophie 150 Jahre nach seiner Geburt weiterhin des Okkultismus verdächtigt wird, rücken die "Früchte" ihrer praktischen Anwendung immer näher an unseren Alltag heran: in der Bewegung der Waldorf-Schulen, in deren Refugien immer mehr Eltern ihre Kinder in Sicherheit zu bringen suchen; im Bio-Kult, der uns ein Stück "heile Welt" zurück gibt; oder in der Hinwendung zu alternativen Heilverfahren, um den Tatorten der Schulmedizin zu entkommen.

Steiner bleibt zukunftsträchtig. Woher hatte er diese Weitsicht? War er tatsächlich ein Hellseher? Und kann, wie Steiner behauptete, jeder zum Hellseher werden?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die "Lange Nacht" als kritische Annäherung an Rudolf Steiner und sein Lebens- und Menschenbild.

Flow

Wenn alles im Fluss ist

DLF Freistil 2011

Im Flow zu sein bedeutet, völlig im Einklang mit einer Tätigkeit zu sein, die sich selbst zum Ziel hat. Flow ist die Lust des reibungslosen Ablaufs, ist Schaffens- und Tätigkeitsrausch genau im richtigen Turnus zwischen Über- und Unterforderung. Ein Mensch im Flow kann aus der Zeit treten, sich wie ein Surfer auf der Oberfläche des Seins fühlen. Im Flow ist der Segler, wenn sein Boot perfekt im Wind liegt, ein Schwimmer, der seine Schwimmstöße optimal mit seiner Atmung synchronisiert, ein Kind, das in seinem Turmbau alles um sich herum vergisst. Flow kann im Computerspiel erlebt werden, in der Risikosportart, aber auch in der täglichen Büroroutine. Der Verhaltensforscher Mihaly Csikszentmihalyi hat die Flow-Theorie in den 70er-Jahren aus Tausenden von Interviews mit Menschen aus allen möglichen Berufsgruppen und Alltagskulturen erarbeitet. Heute ist das Phänomen "Flow" bereits in den Fokus von Frauenzeitschriften geraten. Zugleich ist die Flow-Theorie eine der wichtigsten Trends in der Glücksforschung.

Im Astral-Bereich

Der Anthroposoph Joseph Beuys und Rudolf Steiner, der Künstler

WDR Kulturfeature 2011

Rudolf Steiner zog an und stieß ab. Noch 150 Jahre nach seiner Geburt scheiden sich an dem Begründer der Anthroposophie die Geister. Doch Steiners Impulse wirken bis heute fort, am sichtbarsten in der alternativen Heilkunde, dem Bio-Landbau oder der Waldorf-Pädagogik. Aber Steiner gehört nicht den Anthroposophen allein. Auf vielfältige Weise beeinflusste sein ganzheitliches Denken auch die Bildende Kunst, die Architektur, das Design.

Joseph Beuys, einer der zentralen Vertreter von Fluxus und Aktionskunst ist mehrmals ins schweizerische Dornach gereist, zur Wirkstätte Steiners. Das Feature verfolgt seinen Weg und macht eine doppelte Entdeckung: Anthroposophie ist der heimliche Grund von Beuys Kunst, und: Rudolf Steiner war ein Künstler!

Sons of Gastarbeita

oder die Dramaturgie der Migration

WDR Kulturfeature 2010

Früher hätte man sie „Bastarde“ genannt; dabei sind sie alles andere als ein „Unfall“ der Geschichte: Sie sind die Kinder von griechischen Migranten. Aber zugleich von deutschen Touristen. Kinder von Arbeiterinnen. Aber auch von Künstlern. Und in ihr Heimweh nach Griechenland mischt sich immer die notorische Hoffnung der Philhellenen, Griechenland könnte ein paradiesischer Ort sein.

Der Autor, selbst Produkt einer Migration Love Story, verfolgt die Stimmen und Motive über zwei Generationen und drei Länder zurück: Mit dem Migrations- und Tourismusforscher Mark Terkessidis; mit Angela Melitopoulos, die in ihrem Film „Passing Drama“ ihren Vater neu erfand; mit Markos Koderisch, der in seine Hiphop-Songs die Wiegenlieder seiner Mutter sampelt; und mit dem Berliner Autor Andreas Schäfer, der sich heute mehr für die Sicht des Täters interessiert.

Kulturpartisanen oder: Die Balkanizer

Wie ein Lebensgefühl zum Exportschlager wurde

Kulturfeature WDR 2009

Das Feature führt mitten ins Herz des Balkans, wo der Filmregisseur Emir Kusturica im serbischen Hinterland sein utopisches "Kustendorf" erbaut hat: Kulisse eines serbophilen Heimatfilms oder letzter Rückzugsraum für den magischen Realismus in Europa? Der Komponist Goran Bregovic, der Kusturicas temperament- und temporeiche Balkan-Bilder einst musikalisch untermalte, inszeniert heute auf Europas Konzertbühnen als großer Impressario im weißen Smoking seinen Balkanbarock.

Die Revolution mit der Heizdecke

1968 in Nordhein-Westfalen

WDR Kulturfeature 2008

Nicht nur in Paris, auch in Bochum brannten 1968 die Barrikaden! Und der Himmel über Köln leuchtete schmutzig-gelb. Aus vielen kleinen Widerstandsquellen entstand zwischen Rhein und Ruhr ein neuer großer Fluss. Während die Barrikadenkämpfer in Bonn mit dem Sound der Weltrevolution in den Ohren die Zigarren des Rektors rauchten und die Kultband CAN sich mit unerbittlichem Kunstwillen in Trance spielte, meuterte die Film-Avantgarde im Kölner Untergrund gegen den "Apparat". Das ganze subversive Treiben in akustischen Studios, in Galerien, vor dem Werkstor und in Kommuneküchen lässt sich als Kraftstrom eines einzigen großen Happenings begreifen. Was ergibt sich aus der Endmischung? Was haben uns die Mamas und Papas mit ihren Aufbrüchen zwischen Kunst und Revolte beschert? Und was bedeutet es, wenn die Kinder der 68er die politischen Symbole von einst zu Popikonen machen und bei Dichterlesungen ihren Familienroman durchs Megaphon flüstern?
Eine Sendung mit Irmin Schmidt, Birgit Hein, Bazon Brock, Hannes Heer, Lothar Gothe, Claus Leggewie und Jörg Albrecht.

Das Radiofeature „Die Revolution mit der Heizdecke“ (WDR) wurde für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert

Fernsehen

Juni – August 2002 Ausbildung zum TV-Autor bei Story Company, Köln, begleitendes Praktikum bei Zeitsprung, Köln (Lektorat und Stoffentwicklung)

Seit 2006 regelmäßiger Einsatz als Fernsehautor für 3 Sat, insbesondere für das interdisziplinäre Sendeformat "Scobel" zwischen Natur- und Kulturwissenschaften